Kurzaufruf

Feministischer Kampftag ist jeden Tag.

 – solidarisch. divers. global

Feminism is more than you think

Feminismus ist facettenreich und hat viele Gesichter. Das Sichtbarmachen von Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts und der Kampf gegen das Patriarchat sind vielleicht die kleinsten gemeinsamen Nenner, die daraus gezogenen Konsequenzen und Befreiungsstrategien jedoch extrem unterschiedlich.
Wir verstehen Feminismus als Vielfalt, als antisexistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Kampf gegen Unterdrückung und für Freiräume. Unterdrückungsmechanismen bauen auf sozialen Konstruktionen wie Geschlecht, Identität, Nationalität, Sexualität, Religion, Alter, ökonomischem Status oder Aussehen auf. Oft erfolgt eine Diskriminierung durch mehrere solcher Konstrukte gleichzeitig.
Der 8. März wird allgemein als “Frauentag” betitelt – diese Bezeichnung ist längst nicht mehr zeitgemäß. Feminist*innen sind nicht nur Frauen, Feminist*innen sind Menschen aller Geschlechter.
Wir müssen uns dem Patriarchat solidarisch, divers und global kämpferisch entgegenstellen!
In den Familien! In den Lehrkörpern! In den Institutionen! In den Köpfen! Im Alltag! Auf der Straße! Überall und jederzeit!
Für ein freies, selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben aller Menschen.
Deshalb rufen wir zum feministischen Kampftag 2018 auf!
Wir haben die Schwerpunkte des diesjährigen FKT aus einem aktuellen Bezug gewählt. Dabei ist uns bewusst, dass diese keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit haben.

you create your family

Im letzten Jahr gab es wichtige, längst überfällige Änderungen in Deutschland: 1. Die “Ehe für alle” und 2. die Anerkennung der “dritten Option”.
Trotzdem müssen traditionell-geschlechterhierarische Familienstrukturen mit konservativen Wertevorstellungen weiter aktiv demontiert werden, um Raum, Anerkennung und Ideen für zeitgemäße Familienkonstellationen und emanzipierte Lebensumwelten für Eltern, Kinder und Jugendliche zu schaffen. Was Familie, Beziehung und Liebe für dich bedeutet, solltest du bestimmen dürfen.
Meistens liegt die Verantwortung für Verhütung und die Reproduktionsarbeit vor und nach einer Schwangerschaft bei Frauen*, deren Rolle sich hierbei oft entlang der neoliberalen Selbstoptimierungsideologie auf die betonte Vereinbarkeit von Beruf und Familie reduziert. Besonders in linken, sich als emanzipatorisch verstehenden Räumen muss die Akzeptanz und gleichberechtigte Teilhabe von Familien Element eines feministischen Selbstverständnisses sein.

keep the goverment out of my uterus

Frauen*, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen, werden nicht nur von der Gesellschaft abgewertet und stigmatisiert, sondern auch vom Staat. Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland faktisch illegal (§218 StGB)! Nur unter bestimmten Voraussetzungen (§218a StGB) ist der Eingriff erlaubt, allerdings mit erheblichen Hürden für die Frauen*. Den Umstand der ungewollten Schwangerschaft können betroffene Frauen* somit auf der einen Seite als Wertkonflikt, auf der anderen Seite als Macht- bzw. Informationskonflikt wahrnehmen.
Das aktuelle Beispiel der Gießener Gynäkologin Kristina Hänel, die verurteilt wurde, da sie auf ihrer Homepage über Schwangerschaftsabbrüche als Leistung informierte, zeigt die Tragweite des §219a StGB.
Wie jedes Jahr veranstalten Abtreibungsgegner*innen, mit engen Verknüpfungen zu z.B. AfD und CDU, den sogenannten “Marsch für das Leben” unter anderem durch Annaberg-Buchholz.
Kommt am 16.06.2018 zur Gegendemo nach Annaberg-Buchholz, zeigt euch solidarisch und lasst uns gemeinsam für die Abschaffung der Paragraphen 218 & 219a StGB kämpfen!
Weiteres unter: (Adresse wird nachgereicht)

sexwork is work!

Besonders im feministischen Diskurs unterliegt sexwork immer wieder kontroversen Diskussionen. Deutlich wird dabei, dass Sexarbeiter*innen auch in vermeintlich linken Räumen Objektivierung und gesellschaftlichen Stigmata unterworfen werden. Sexarbeit ist ein Feld mit vielen Facetten, die divers betrachtet werden müssen. Selbstverständlich lehnen wir Zwangsprostitution und Menschenhandel ab. Andererseits müssen Sexarbeiter*innen in ihren Rechten als Lohnarbeitende gestärkt werden. Mit dem Inkrafttreten des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes im letzten Jahr ist es uns ein besonderes Anliegen, Sexarbeiter*innen zu unterstützen und die gestärkte Machtstellung von Institutionen und Behörden zu benennen. Sexwork ist Arbeit und die zunehmende Illegalisierung, behördliche Kontrollen und Repressionen verstärken das Risiko von Zwangskontexten und nehmen ihnen die Selbstbestimmung.
Weiteres unter: sexarbeit-ist-arbeit.de

only yes means yes

#metoo ist viel mehr als eine bloße Debatte, sondern zeigt, dass viele Menschen und besonders Frauen* alltäglich sexualisierter Gewalt auf verschiedensten Ebenen ausgesetzt sind. Die unzähligen Gewalterfahrungen und das häufige Schweigen darüber zeigen das (institutionelle) Versagen beim Umgang mit frauen*verachtendem Handeln und Denken. Nicht nur in einer Gesellschaft, in der ein Hashtag solch enorme Resonanz erfährt, ist die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt unabdingbar – sondern global. Wir fordern die sexuelle Selbstbestimmung für alle und Respekt gegenüber persönlichen Grenzen. Daher müssen wir weiterhin gegen die Objektivierung von Frauen* und bestehende Machtverhältnisse kämpfen.
Die extremste Form von Gewalt gegen Frauen* ist der Femizid. Dies ist die Tötung von Frauen*, weil sie Frauen* sind. Zum Beispiel Mord durch den Partner, sogenannte Ehrenmorde oder Vergewaltigung mit Todesfolge. Laut statistischer Erfassung gibt es in Deutschland allein in Partnerschaften täglich einen Mord oder einen Mordversuch an einer Frau*. Es ist wichtig, diese besonders ausgeprägte Form der Gewalt sichtbar zu machen, zu benennen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen.
Dem gilt es entschlossen entgegen zu treten und Aufklärung zu leisten. Wir wollen keine einzige ermordete Frau* mehr – Keine mehr! Ni una menos! (weitere Info’s auf: keinemehr.wordpress.com)

Wir sind überzeugt, dass diese Demonstration eine gute Gelegenheit ist, um feministische Inhalte auf die Straße zu bringen. Seid kämpferisch, laut und solidarisch.

Kommt zur Demo und zu den Veranstaltungen rund um den FKT!

Demonstration am 3. März um 14 Uhr am Clara-Zetkin-Denkmal in Leipzig